Aufruf:

ICH SCHLAGE HIERMIT

IN ALLER FORM

DIE BUNDESNOTBREMSE

FÜR DIE WAHL ZUM

INSEKT DES JAHRES

VOR.

 

 

Don’t read my diary when I’m gone. OK, I’m going to work now. When you wake up this morning, please read my diary. Look through my things, and figure me out. (Kurt Cobain, Journals)

Wer informiert werden möchte, wenn sich hier Neues tut (ca. 1x/Monat), möge mir dies bitte ausdrücklich per Mail mitteilen.

 

 

 

 

 


Updates Mai:

Meine Frau kann – rückwärts!– einparken.

(Acht Geständnisse aus einer geglückten Ehe.)

Geständnis 3: In der Heimwerkerabteilung.

Manchmal nimmt mich meine Frau mit, wenn sie in den Baumarkt geht, in die Heimwerkerabteilung. Heimwerkerabteilungen machen mir Angst. Irgendwie. Besonders die Bohrmaschinen. Was da so losgeht auf den leichtesten Fingerdruck, das Geräusch, die Vibration, der stahlige Bohrer, ach nein, irgendwie nichts für mich. Das heißt, wenn ich ein paar Mal drauf gedrückt habe, macht es schon Spaß. So eine Bohrmaschine hat für mich was von einem Colt. Sie wissen schon, der Sechsschüsser aus den Western, schwer im Halfter liegend dräut er rechts oder links unter der locker herab hängenden Schusshand. Es soll tausende von Handys geben, die ähnlich getragen werden. Naja, bevor ich den ultimativen Clint Eastwood gebe, nimmt mir meine Frau die Bohrmaschine wieder aus der Hand.

Dann kommt der Verkäufer. Ein typischer Vertreter aus der Zunft der Baumarktheimwerkerabteilungsfachverkäufer. Langweilig gekleidet, mit einer Ausdünstung, die knapp am Ungepflegtsein vorbei schrammt. Eine Mischung aus kaltem Zigarettenqualm, schlecht verdunstetem Schweiß und einem Rasierwasser, das den Begriff Eau de Toilette gründlich missverstanden hat.

Zielstrebig kommt dieser Mensch auf mich zu – mich! – und fängt an zu erzählen. Watt, Volt, Umdrehung, Schlagbohrer, automatische Umschaltelektronik… Halt! Ich hebe die Hand. Dann das Geständnis: „Erklären Sie das bitte meiner Frau. Die ist bei uns der Handwerker. Ich habe keine Ahnung.“ Staunen, Lächeln (etwas herablassend, oder nur irritiert?). Dann das ganze nochmal in Frau. Das geht zwei Minuten gut. Zu Beginn der dritten Erklärungsminute redet der gute Mann wieder auf mich ein. Ich sage: siehe oben. Reaktion des Baumarkters: siehe oben.

Am Ende hatte der Verkäufer alles mindestens zweimal erklärt. Wir hatten alles mindestens zweimal gehört. Und ich hatte immer noch nichts kapiert. Meine Frau hat sich dann einmal gezielt entschieden und gekauft. Dann fuhren wir nach Hause. Mit der Bohrmaschine. Und die Angst fuhr mit. Irgendwie.


Wetterlyrik

Wetter 1

nebel
hellgraue bügelfeuchte
klammer wickel
umhüllt die stadt
luft! luft!

Wetter 2

regen
wolkenbruch
alle himmelswasserrohre platzen
urbane seenplatten
auf der versiegelung

Wetter 3

sonne
tückisches gestirn
erst scheint sie
dann brennt sie
uns nieder

Wetter 4

schnee
nur noch von gestern
heute verzweifelt gesucht
fragen wir uns
wohin mit all den schaufeln?

Wetter 5

frost
krachend immer seltener
überraschend immer noch
kälte wird zum luxus
wenn es immer wärmer wird


Kreuzfahrtschiff

es ist ein kreuz
mit der fahrt
und dem schiff
denn kommt das schiff
falsch in fahrt
ist schnell schluss mit gekreuz
dann hängt’s wie am kreuz
blöd am riff
dummes schiff
ohne fahrt


Dialektik einer Erbsensuppe

meine kleine zuckerpuppe
kocht heut’ lecker erbsensuppe
und morgen in der männergruppe
werd’ ich davon erzählen

meiner kleinen zuckerpuppe
ist das aber ziemlich schnuppe
denn morgen in der frauengruppe
werden die sie dafür quälen

(Dieses Gedicht beruht zum einen auf einer wahren und antizipiert zum anderen eine mögliche Begebenheit, deren extrem hohe Wahrscheinlichkeit empirisch belegt ist.)

Der Alpifant

der alpifant
lebt unerkannt
in alpenregionen
am lagerfeuer träumt er nachts
von hannibal
und römischen legionen

sein müdes haupt, es ruht ganz still
auf seinem weichen rüssel
und wenn du fein die ohren spitzt
hörst du ihn schnarchen
von mailand bis nach brüssel