Meine Frau kann – rückwärts!– einparken. (Acht Geständnisse aus einer geglückten Ehe.)

Geständnis 7: Maschase-Praxis.

Meine Frau hat manchmal Verspannungen. Dann sagt sie gern: „Hmm, jetzt eine Maschase.“ Meine Frau sagt „Maschase“, obwohl sie natürlich „Massage“ meint und „Massage“ auch fehlerfrei sprechen kann. Meine Frau verdreht nur gern Worte. Sie sagt auch „Frisöse“ und nicht ‚“Friteuse“, aber ich verstehe sie trotzdem. Allerdings, als unsere Tochter letztens meinte, dass heiße jetzt nach neuer deutscher Rechtschreibung „Frisörin“, da war ich doch etwas verwirrt.

Jedenfalls: Immer, wenn meine Frau „Hmm, jetzt eine Maschase.“ sagt, schaut sie mich traurig an, fügt noch ein „Aber du willst ja nicht.“ hinzu, um schließlich im finalen Quittungsschuss der Frau-Mann-Beziehung zu kulminieren: „Du hast mich eben nicht mehr lieb genug.“ Diesem Vorwurf spontan zu widersprechen, ist zwar naheliegend, wäre aber fatal.

Dies würde nämlich die Warummassierstdumichdanntrotzdemnichtdiskussion auslösen. Einmal habe ich es mit dem Vorschlag versucht, eine junge Vietnamesin als Hausmasseurin einzustellen. Das war auch keine gute Idee. Wobei ich nicht genau verstanden habe, was meine Frau jetzt ausgerechnet gegen Vietnamesinnen hat. Aber ich hatte auch keine Lust, bei uns eine Rassismusdebatte loszutreten. Stattdessen kam mir eine geniale Idee: Ich massiere meine Frau, während ich im Fernsehen Fußball gucke. Habe ich ihr gleich vorgeschlagen.

Seitdem erzählt mir meine Frau keine Verspannungen mehr. Schade eigentlich.


Das Gleichnis von den sechs Ingenieuren

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Das Gleichnis von den sechs Ingenieuren

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Es waren einmal sechs Ingenieure. Sie praktizierten alle sechs in einer kleinen Stadt. Diese kleine Stadt lag am Fuße einer mächtigen Staumauer, die vor sehr, sehr langer Zeit erbaut worden war, man wusste nicht mehr, von wem. Die Einwohner der Stadt profitierten seit Generationen von der Staumauer und dem dahinter liegenden großen See: Strom, Wasser, Freizeitvergnügen aller Art. Partys an den Ufern, Riesenevents auf der Staumauer, Tanz, Konzerte, alles, was ging – immer öfter, immer mehr. Einer der sechs Ingenieure warnte jahrzehntelang davor, es mit der Benutzung und Belastung der Staumauer nicht zu übertreiben. Erklärte die Gefahren und ihre Ursachen. Machte immer wieder Vorschläge, wie man es besser machen könnte. Den anderen fünf Ingenieuren (und den meisten Menschen in der Stadt) ging das mehr oder weniger am Arsch vorbei. Dann, eines Tages, tauchte der erste Riss in der Staumauer auf. Und allmählich wurden die Risse zahlreicher – und größer. Und plötzlich ging den meisten Bewohnern der Arsch mehr oder weniger auf Grundeis.

Und für alle stand eine Frage im Raum: Welcher der sechs Ingenieure kann uns jetzt am besten helfen?


Meine Frau kann – rückwärts!– einparken. (Acht Geständnisse aus einer geglückten Ehe.) Geständnis 6: Die Nudeln sind kalt.

Falls ich es noch nicht erwähnt habe, sage ich es jetzt: Bei uns zu Hause bin ich der Koch. Und zwar nicht von der Art Ehemannfreizeitkoch, der nach Schaffung eines mehrgängigen, stark präpositionslastigen Menüs in der Küche ein Schlachtfeld hinterlässt.

Nein: Ich koche täglich, nach der Arbeit, das früher familiäre und jetzt eheliche Abendessen. Und die Küche bleibt sauber. Und meist ist Frau (und war Tochter) glücklich. Und ich auch. Jedoch: Ein Problem trübt die Idylle. Das Problem ist ein Satz. Den Satz sagt – wer sonst? – meine Frau. Der Satz lautet: „Die Nudeln sind kalt.“ Dann könnte ich jedes Mal ausrasten.

Denn die Nudeln sind nur deshalb nur noch warm – und ich sage bewusst warm und nicht kalt, denn der Begriff „kalt“ ist eine böse, üble Übertreibung meiner Frau –, also nur deshalb nur noch warm, weil meine Frau wünscht, dass Nudeln und Soße g-e-t-r-e-n-n-t serviert werden. Das heißt konkret: Zwischen dem letzten Kontakt mit dem heißen Topf und dem ersten Kontakt mit dem Mund meiner Frau verbringen die Nudeln eine gewisse Zeit in einer temperatursenkenden Umgebung. Sie liegen quasi draußen – auf einem kalten Teller. Und Nudeln halten die Hitze nun mal nicht besonders gut. Vor allem nicht, wenn sie auf einem kalten Teller auf die heiße Soße warten müssen!

Und da ich nun mal erst die Nudeln und dann erst die Soße servieren darf, und meine Frau nicht wartet, bis dass die heiße Soße die warmen (warmen!) Nudeln wieder auf eine höhere Temperatur gebracht hat, sondern sich direkt über die kalttellerbedingt nur noch warmen Nudeln hermacht, kommt es Nudelgericht für Nudelgericht zu dem klagenden, um nicht zu sagen: anklagenden Ausspruch, den ich wegen seiner sachlichen Ungenauigkeit nicht noch einmal wiederholen möchte.


Geständnis 5

Meine Frau kann – rückwärts! – einparken.

(Acht Geständnisse aus einer geglückten Ehe.

Geständnis 5: Grünes Programm.
„Grünes Programm“ ist ein medialer Fachbegriff, den meine Frau
 erfunden hat. „Grünes Programm!“ ruft meine Frau jedes Mal, wenn 
ich im Fernsehen Fußball gucke. Sie ruft es also mindestens einmal
 pro Woche, immer wieder samstags, wenn die Sportschau läuft. Sie
 ruft es auch alle 14 Tage, dienstags, mittwochs oder donnerstags,
wobei man die drei „oder“ auch durch drei „und“ ersetzen kann. Das
 hängt davon ab, wer in welchem europäischen Wettbewerb gerade 
spielt. Weitere, unregelmäßigere Anlässe für ein „Grünes
 Programm!“-Rufen sind Länderspiele und die Spiele im DFB-Pokal. Und die diversen EMs und WMs.
Das ist soweit so gut. Ich habe mich längst daran gewöhnt, dass
 meine Frau das immer ruft. Einerseits. Andererseits: Dass sie das
 aber immer noch ruft, nach all den Jahren, zeigt, dass sie sich immer
 noch nicht daran gewöhnt hat. Und das finde ich, ehrlich gesagt, ein 
bisschen schade. Vor allem, weil meine Frau nicht konsequent ist in 
ihren medialen Begrifflichkeiten. Golf zum Beispiel ist kein „Grünes 
Programm“, sondern Golf. Schwimmen ist Schwimmen, und beileibe 
kein „Nasses Programm“. Dabei ist meine Frau immer für eine 
Überraschung gut: Einmal, bei irgendeiner Tennis-Open – es spielten 
zwei Damen, die ich hier lieber nicht nenne – meinte sie am Telefon zu unserer 
Tochter: „Dein Vater schaut wieder knackigen, leicht bekleideten
 Frauen beim Stöhnen zu.“
Ja, was sollte ich denn sonst machen, mitten in der Bundesliga-
Winterpause?


Meine Frau kann – rückwärts!– einparken.

(Acht Geständnisse aus einer geglückten Ehe.)

Geständnis 4: Ma femme ne parle pas le français.

In die Ferien fahren wir nach Frankreich. Wenn möglich, jedes Jahr. Bis auf die Jahre, wo wir gar nicht in die Ferien fahren. Dann fahren wir nicht nach Frankreich. Ich sag das nur schon mal vorab, weil meine Frau immer behauptet, wir würden jedes Jahr in die Ferien nach Frankreich fahren.

Wenn wir dann aber mal wieder endlich in Frankreich sind, gehen wir natürlich gleich lecker einkaufen. Besonders gern gehen wir in die Metzgerei. Denn so eine französiche Metzgerei, vor allem auf dem Land, ist ein wahres Erlebnis. Die haben immer so leckeres Zeugs.

In einer französischen Landmetzgerei findet man entweder einen französischen Landmetzger oder eine französische Landmetzgersfrau vor. Oft steht die Landmetzgersfrau vorn im Laden hinter der Theke, während ihr Landmetzgersmann irgendwo hinten herummetzgert. Egal, wer vorn im Laden steht, er oder sie erklärt einem immer so lieb, was was ist und was man damit in Topf, Pfanne und Ofen alles zaubern kann. Das tun sie, weil ich vorher gefragt habe, was sie denn so empfehlen können. Das mach ich natürlich auf Französisch, und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.

Der Landmetzger bzw. seine Frau merken natürlich sofort, dass sie nicht so einen ganz doofen Touri vor sich haben, sondern einen, der Französisch spricht. Da freuen sie sich, wie sich alle Franzosen freuen, wenn einer Französisch spricht ohne gleich Franzose zu sein. Liegt höchstwahrscheinlich daran, dass sie sonst immer nur mit Französisch sprechenden Leuten zu tun haben, die Franzosen sind. Jedenfalls: Kaum hab ich meine Frage gestellt, legen die schon los. Und erzählen und erklären. Natürlich auf Französisch, weil sich das dann besonders lecker anhört. Und die erklären es natürlich alles meiner Frau, weil französische Landmetzger und Landmetzgersfrauen davon ausgehen, dass die Frau kocht. Leider gehen die französischen Landmetzger und Landmetzgersfrauen auch davon aus, dass Frauen, die kochen und einen Mann haben, der auf Französisch fragen kann, was sie denn so empfehlen können, auch Französisch sprechen. Nun spricht meine Frau leider nur bedingt Französisch. Aber: Sie arbeitet dran. Allerdings: Sie ist noch nicht so weit, um einen französischen Landmetzger oder dessen Frau zu verstehen.

Also kommt es, wie es immer kommt. Irgendwann, manchmal erst nach Minuten, sage ich: „Ma femme ne parle pas le Français.“ Dann ertönt auf der anderen Seite der Theke ein enttäuschtes „Ah bon“, und dann kauf ich ein paar Lammkoteletts oder Steaks oder einen Braten, und dann ist alles wieder gut.

Später, draußen, sagt meine Frau: „Nächstes Mal fragst du bitte auf Deutsch.“


Meine Frau kann – rückwärts!– einparken.

(Acht Geständnisse aus einer geglückten Ehe.)

Geständnis 3: In der Heimwerkerabteilung.

Manchmal nimmt mich meine Frau mit, wenn sie in den Baumarkt geht, in die Heimwerkerabteilung. Heimwerkerabteilungen machen mir Angst. Irgendwie. Besonders die Bohrmaschinen. Was da so losgeht auf den leichtesten Fingerdruck, das Geräusch, die Vibration, der stahlige Bohrer, ach nein, irgendwie nichts für mich. Das heißt, wenn ich ein paar Mal drauf gedrückt habe, macht es schon Spaß. So eine Bohrmaschine hat für mich was von einem Colt. Sie wissen schon, der Sechsschüsser aus den Western, schwer im Halfter liegend dräut er rechts oder links unter der locker herab hängenden Schusshand. Es soll tausende von Handys geben, die ähnlich getragen werden. Naja, bevor ich den ultimativen Clint Eastwood gebe, nimmt mir meine Frau die Bohrmaschine wieder aus der Hand.

Dann kommt der Verkäufer. Ein typischer Vertreter aus der Zunft der Baumarktheimwerkerabteilungsfachverkäufer. Langweilig gekleidet, mit einer Ausdünstung, die knapp am Ungepflegtsein vorbei schrammt. Eine Mischung aus kaltem Zigarettenqualm, schlecht verdunstetem Schweiß und einem Rasierwasser, das den Begriff Eau de Toilette gründlich missverstanden hat.

Zielstrebig kommt dieser Mensch auf mich zu – mich! – und fängt an zu erzählen. Watt, Volt, Umdrehung, Schlagbohrer, automatische Umschaltelektronik… Halt! Ich hebe die Hand. Dann das Geständnis: „Erklären Sie das bitte meiner Frau. Die ist bei uns der Handwerker. Ich habe keine Ahnung.“ Staunen, Lächeln (etwas herablassend, oder nur irritiert?). Dann das ganze nochmal in Frau. Das geht zwei Minuten gut. Zu Beginn der dritten Erklärungsminute redet der gute Mann wieder auf mich ein. Ich sage: siehe oben. Reaktion des Baumarkters: siehe oben.

Am Ende hatte der Verkäufer alles mindestens zweimal erklärt. Wir hatten alles mindestens zweimal gehört. Und ich hatte immer noch nichts kapiert. Meine Frau hat sich dann einmal gezielt entschieden und gekauft. Dann fuhren wir nach Hause. Mit der Bohrmaschine. Und die Angst fuhr mit. Irgendwie.