
Don’t read my diary when I’m gone. OK, I’m going to work now. When you wake up this morning, please read my diary. Look through my things, and figure me out. (Kurt Cobain: Journals)
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Hautärzte warnen aktuell vor dem Anschauen eines bestimmten Films.
Es drohe „ein malignes Melanianom“, das nur sehr schwer zu behandeln ist und zu irreparablen Persönlichkeitsstörungen führt.
KurtsWellen
Ich lese auf Instagram: „Beim „Dry January“ verzichten Menschen einen Monat lang auf Alkohol, um dem Körper nach den Feiertagen im Dezember eine Pause zu gönnen.“ Ich frage mich: Was in aller Welt haben die getan, dass ihr Körper eine „Pause“ braucht?
Die wunderbaren 70: Erkenntnisse, mit denen ich so nicht gerechnet habe.
Willkommen in der neuen Rubrik für 2026, in der ich versuchen werde, der werten Leserschaft 70 Erkenntnisse, die mir widerfahren sind, zu präsentieren. Auf denn!
Erkenntnis 7:
Das Entführen von missliebigen Staatenführern ist neuester Trend.
Erkenntnis 8:
Wenn eine Anarchistengruppe einen Anschlag auf ein Kraftwerk durchführt, beabsichtigt sie (nach eigener Aussage) damit nicht, dass es zu einem Stromausfall kommt.
Erkenntnis 9:
Ich lebe in einer Welt der sich vermehrenden Kürzel: MAGA, MBS, MBZ, VAE, RSF. Und demnächst wieder SBZ?
Erkenntnis 10:
Wintereinbruch in Deutschland: Streusalz ist das neue Klopapier.
Erkenntnis 11:
Dry January isch over. Leute, ihr könnt wieder saufen!
Erkenntnis 12:
Die Erkenntnis, das ein Speaker kein Schwätzer ist, fehlt mir noch.
Erkenntnis 13:
Die TrumPutins dieser Welt benutzen zur Kommunikation ihrer abartigen Pimmelschwenkereien gern gebotoxte Propagandapüppchen: Desperate Housewifes go International Hate-Daysies.
Erkenntnis 14:
Fußball in Deutschland: Bayern München – übermächtig. Alle anderen – mittelprächtig.
Zentralfriedhof
in den bäumen der wind
ein rauschen ein flüstern ein raunen
in endlosen alleen
das spiel der schatten
rundum abertausende
in abertausenden gräbern
steine gruften inschriften blumen bilder
stille traurige schrille erzählungen
langer kurzer und viel zu kurzer leben
umweht von der mahnung bedenke
und über all dem
ein unbarmherzig blauer himmel
Schnelldiagnose
neulich hatte ich ein komisches gefühl
da war in meinen Därmen ein seltsames gewühl
drum ging ich zum dottore
der sagte
entweder durchfall
oder amore
Sexistisches Liebeslied eines einsamen Matrosen
ich wollt ich wollt ich wüsste
an welcher schönen küste
sie leben
ich wollt ich wollt ich wüsste
ob ihre schönen brüste
für mich beben
ich wollt ich wollt ich wüsste
wenn ich nur eine küsste
alle glücklich schweben
ich wollt ich wollt ich wüsste
dass alle ihre lüste
dann zu mir streben
ich weiß ich weiß nicht eine
wird mich jemals missen
doch falls es eine tut
lasst es mich wissen
Tonnenweise
hört ihr die tonnen
wie sie rollen
die wundervollen
übervollen
sie stehen dann in reih und glied
an immer gleichen straßenstellen
und singen unhörbar ihr lied
von ab- und anderen fällen
so warten sie die ganze nacht
auf die müllabfuhr
die bei ihrer morgentour
sich ans entleeren macht
danach hört man die wundervollen
tonnen wieder hurtig rollen
noch sind sie leicht noch sind sie leer
doch bald werden sie wieder schwer
es zieht der mensch gern seine tonne durch die welt
und wenn sie auch nur müll enthält
so denkt er sich was macht das schon
das ist halt zivilisation
Kopfhengst – Wunderlichkeiten aus Blödland. Akte 14.

Dieses Jahr, zum ersten Mal, soll der Nationale Blödland-Preis, an einen Blödländer oder eine Blödländerin verliehen werden, der oder die nachweislich nicht blöd ist. Kopfhengst schiebt Panik. Denn: Kopfhengst ist nominiert für diese Auszeichnung. Als einziger. Es gab zwar einen Konkurrenten, der in den AHWs, den Asozialen HetzWerken, ein paar Wochen lang Furore machte mit einem Pamphlet namens „N dr Krz lgt d Wrz“, in dem er die Tilgung von Vokalen aus der Schriftsprache forderte, weil diese, die Vokale, „dekadent zersetzend weibisch“ seien. Allerdings hatte er seinen Beitrag mit einer solchen Unmenge an wirren, hässlichen, dämlichen Emojis „geschmückt“, dass selbst die ziemlich blöde Jury von Blödland fand, das sei jetzt wirklich einfach zu blöd und gleich am Tag nach Einreichung des Beitrages beschloss, die Verwendung von Emojis unter Todesstrafe zu stellen. „Personenbezogen einmalig rückwirkend“ stand im Kleingedruckten. Somit war der Weg frei für Kopfhengst, und er gewann das Rennen mit einem Gedicht, besser: einem Wutgedicht, das er geschrieben hatte, nachdem er wieder einmal volles Produkt in einen fetten Haufen Hundescheiße getreten war:
Der Köterist
der köterist
ist ein faschist
der von sich glaubt
dass er keiner ist
er macht uns anderen gerne beine
vom unteren ende seiner leine
am oberen, das ist bekannt,
mangelt es öfters am verstand
der köterist
ist terrorist
der nicht weiß
dass er einer ist
er liebt abgöttisch seinen hund
egal, ob schwarz, ob weiß, ob bunt
über den mensch stellt er das tier
der hund, der knurrt, kann nichts dafür
der köterist
ist ein sadist
der nicht erkennt
dass er einer ist
mein Hund tut dies nicht und nicht das
er will nur spielen, macht nur spaß
und scheißt er noch so ungeheuer –
wofür zahlt man denn hundesteuer
der köterist
ist egoist
der ignoriert
dass er einer ist
so zieht er täglich seine spuren
durch unsere schöne menschenwelt
und seine armen kreaturen
müssen tun, was ihm gefällt
der köterist
ist wie er ist
und wehe dir
wenn du keiner bist
Das Gedicht ging steil, durch die Decke, viral, sozusagen Gassi, was ihn nicht weiter erstaunte. Aber jetzt gerade auch nicht hilft gegen die Panik. Zugegeben: Als einziger Blödländer eben nicht blöd zu sein, kann durchaus hilfreich sein. Weil man alle blöden Fragen der anderen wirklich blöden Blödländer beantworten kann. Und somit eine Art Held ist. Was Kopfhengst ja auch durchaus ist. Wobei: Auch das kann verdammt hart sein. Heldenhart. („Heldenhart nach Heldenart“, so ein Werbeslogan, den sich Kopfhengst mal für einen Hartkäse der Marke Helden ausgedacht hat.) Weil wenn so ein Blödländer oder so eine Blödländerin so eine blöde Frage stellt, und Kopfhengst legt dann los mit der Antwort, dann heißt es schnell „Oh neee, nicht so viel Information, das kann ich doch gar nicht alles verarbeiten, immer musst du so rumdozieren, wir sind hier doch nicht in einer Vorlausung in der Unnität.“ Also hat sich Kopfhengst eine Regel gegeben: Dosieren beim Dozieren. Seitdem klappt es ganz gut. Nur, jetzt als einziger intelligenter Blödländer so an den nationalen Pranger gestellt zu werden, dass macht Kopfhengst große Angst. Jeder weiß ja: Kopfhengst ist schlau. Aber muss man es ihnen auch noch so sagen? So mega-offiziell? In allen Medien? Mit Auszeichnung? Lieber nicht. Und außerdem gibt es schon eine Gegeninitiative, die zum Boykott der ganzen Sache aufruft. Unter dem Motto „Unser Land soll blöder werden“ hat die Initiative „Ich bin blöd und das ist auch gut so“ zahlreiche Störaktionen geplant. Und wenn die dann erst mal wissen, wer da ausgezeichnet werden soll… Nein, Kopfhengst hat wirklich keinen Bock auf den Preis. Und mit diesem riesigen keinen Bock im Kopf hockt Kopfhengst heute Abend daheim vor seinem Aquarium. Ja, Kopfhengst hat, nachdem ihn die Unke verlassen hat, sich ein Aquarium mit Zierfischen zugelegt. Ein sehr, sehr großes Aquarium. Kopfhengst grübelt: Wie komme ich bloß aus dieser Nummer raus? Na, vielleicht schlaf ich erst mal ’ne Nacht drüber. Kopfhengst macht das Aquariumlicht aus – „Nacht, Jungs!“ – und will zu Bett. Da klingelt es an der Tür. Kopfhengst geht öffnen. Wer steht da im Flur und strahlt ihn an? Die Kommissionspräsidentin der Kommission, die den Nationalen Blödland-Preis vergibt! Persönlich bei ihm zu Hause. Abends. Was geht da ab? Kaum ist die Kommissionspräsidentin in der Wohnung, hebt sie an: „Lieber Herr, äh, Kopfhengst, ich bin gekommen, um …“ Im Kopfhengstkopf startet urplötzlich eine Vision. Glasig stiert er die Kommissionspräsidentin an: groß, schlank, athletisch, in schlichtes Schwarz gekleidet, schwarze Hornbrille, schwarze Haare zum Dutt gestrengt. Dann stürzt Kopfhengst vollends kopfüber in seine Vision: Die Kommissionspräsidentin macht das Licht aus. Macht sich an ihn ran. Säuselt ihm irgendwas wie „Komm, sei mein Hengst“ oder so ins Ohr. Hängt sich an seinen Hals, presst ihren schlanken, muskulösen, heißen Körper gegen den von Kopfhengst. So schieben sie durch den Raum. Kopfhengsts Hand tastet umher, findet den richtigen Schalter, und das Licht im Aquarium geht an. Guppys, Neonsalmler, Haibarben, Skalare, Welse und Schmerlen versammeln sich hinter der großen Scheibe und glotzen in den Raum. Alle wedeln komisch mit den Vorderflossen. „Oh nein, schreit die Kommissionspräsidentin, „wenn die alle zugucken, dann kann ich nicht.“ – „Und ich kann nur, wenn die alle zugucken“, antwortet Kopfhengst. „Was haben Sie gesagt?“ fragt die Kommissionspräsidentin. Kopfhengst schüttelt sich kurz. Ende der Vision. Rücksturz in die Wirklichkeit. „Ja, ich, äh, nein, also“, stammelt Kopfhengst. Die Kommissionspräsidentin, klein und rundlich im rosa Ausgehkostüm, drückt ihm mütterlich einen Umschlag in die Hand: „Nehmen Sie es sich nicht so zu Herzen. Die Jury hat es sich im letzten Moment noch anders überlegt. Sie bekommen nicht den Nationalen Blödland-Preis für den ersten nichtblöden Blödländer. Es wird überhaupt keinen solchen Preis geben. Niemals nicht. Schon gar nicht für ihr Wutgedicht. Sämtliche Köteris…, Pardon, Hunde-Frauchen und -Herrchen, haben protestiert und unverhohlen mit Gewalt gedroht. Da haben wir gemerkt: War eine echt blöde Idee. Passt einfach nicht zur Corporate Identity unseres Landes.“ Sie deutet auf den Umschlag: „Nehmen Sie das als kleinen Trost. Ich weiß doch, wie sehr Sie gegrübelt haben, ob sie den Preis annehmen können, wie viele Gedanken Sie sich gemacht zu Ihrer Dankesrede. Aber die können Sie ja prima auch für andere Sachen verwenden, jetzt, wo sie schon mal da sind, die Gedanken. So. Genau. Tatsächlich wartet mein Chauffeur unten auf mich, ich muss jetzt in die Oper. Irgendwas über einen Frisör oder so. Schönen Abend dann.“ In der Tür dreht sie sich kurz noch mal um: „Übrigens, Ihr Konkurrent, der Emoji-Fetischist, wurde begnadigt. Auch da drohten Massenproteste. Ich mein, wir sind doch wirklich nicht blöd, oder?“ Dann ist sie fort. Kopfhengst geht zum Aquarium, „Danke, Jungs“, und macht das Licht aus.