Liste der zwei dringendsten Wünsche älterer Männer in der Werbung

  • Endlich weniger müssen müssen.
  • Endlich länger können können.

Gehört in jede professionelle Bewerbung: Liste der Dinge, die ich ganz besonders gut nicht besonders gut kann.

Lieblingsschokoladencrème italienischer Faschisten? – Mousse au Lini.

 

 

Don’t read my diary when I’m gone. OK, I’m going to work now. When you wake up this morning, please read my diary. Look through my things, and figure me out. (Kurt Cobain: Journals)

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Update Oktober 2021

Fragenkatalog

brauch ich sollen werden
werd ich werden tun
will ich haben sein
hab ich brauchen wollen
soll ich müssen können
will ich können müssen
kann ich lassen tun
lass ich haben müssen

 

Pressearbeit 2021 (eine Steigerung)

was passiert?
was ist passiert?
was sollte passieren?
was könnte passieren?
was müsste passieren?
was hätte passieren sollen?
was hätte passieren können?
was hätte passieren müssen?

was wollen wir als
sollte könnte müsste hätte passieren sollen können müssen
kommunizieren?

 

Neulich in Amphibien

ludmilla ist ne kröte

sie spielt sehr gerne flöte

weil wenn der see ins schweigen sinkt

sie ihrem freund ein ständchen bringt

undine ist ne unke

mit spritzern gelber tunke

sie sagt nicht gerne quak!

obwohl sie frösche mag

der frosch da, das ist hein

er ist nicht gern allein

er winkt den kröten und den unken

undine hat zurückgewunken

 

Poème à faire mijoter à petit feu

un navarin marin
à la sauce succulente
embaume de son parfum
presqu‘une île complète
dans l‘océan de la mémoire

quelle métamorphose
de la brise marine

 

Meine Frau kann – rückwärts!– einparken. (Acht Geständnisse aus einer geglückten Ehe.)

Geständnis 8: Das Dawillichnochdraustrinkenglas.

Frauen, das wird Ihnen jeder Mann bestätigen, hinterlassen ihre Spuren. Im Leben des Mannes, aber auch anderswo. Zum Beispiel bei uns zu Hause. Da hinterlässt meine Frau eine ganz eigene, um nicht zu sagen, eigenartige Spur: das „Dawillichnochdraustrinkenglas“. Für alle, die sich schwertun mit der deutschen Zusammenschreibrechtschreibung noch einmal: das „Da-will-ich-noch-draus-trinken-Glas“. Besser? Fein. Also weiter im Stück:

Meine Frau ist, wie die meisten Gesundheitsratgeber, der festen Überzeugung, dass der Mensch täglich Flüssigkeit in zweistelliger Litermenge in sich hineingießen müsse. Weil er sonst vertrocknet. Und sie natürlich auch. Also trinkt meine Frau regelmäßig Wasser. Aus einem Glas. Und da meine Frau viel im Haus unterwegs ist, mal hier, mal dort für kürzere oder längere Zeit zu tun hat, platziert sie an ihren wichtigsten Aufenthaltsorten ein Glas, aus dem sie trinkt. In der Regel verteilt sie so täglich an die drei Gläser im Haus. Sobald ich eines dieser Gläser sehe – oft ist es leer, oft noch halb voll –, will ich es wegräumen. (Ein Ordnungsdrang, den meine Frau gern anprangert.) Denn was soll das: ein Glas, einfach so, stundenlang rumstehend, irgendwo, irgendwie, mit nichts oder mit irgendwas drin, das auch schon nicht mehr richtig lecker aussieht, schon schmutzig, angelaufen? Ist das etwa schön? Also greife ich mir das Glas, nehme schon Kurs auf Küche und Spülmaschine, da ertönt der Ruf meiner Frau: „Halt, da will ich noch draus trinken!“

Natürlich versuche ich, dagegen anzuargumentieren. Spreche von Hygiene. Oder davon, dass ein solches Anlegen kleiner Feuchtbiotope im Innern eines Einfamilienhauses nicht artgerecht ist. Und mit Naturschutz nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Und was macht meine Frau? Geht in die Küche, schnappt sich eine Flasche Wasser, holt ein frisches Glas aus dem Schrank und sagt: „Ich geh jetzt nach oben.“

 

Die kleinen Mönche – sowas wie ein Märchen

Was bisher geschah:

Kapitel 1: Wie alles begann

Eigentlich hätte Papa das hier aufschreiben sollen. Alles. Aber er meinte, wenn ich schon das Bild gemalt habe, das mit den kleinen Mönchen, das irgendwann mal auf dem Titel eines Buches sein wird, das „Die kleinen Mönche“ heißt, was ihr hier aber noch nicht sehen könnt , dann, meinte Papa, könnte ich auch die ganze Geschichte erzählen.

Da sitz ich also jetzt bei uns zu Hause, oben unterm Dach im Atelier, das sich Mama, Papa und ich teilen. Wobei Mama am wenigsten teilt. Sie braucht nämlich den meisten Platz. Für ihre Bilder, Basteleien, Installationen, Illustrationen und ihren Grafikcomputer. Für ihre Bücher, Materialien und jede Menge anderen schrecklich wichtigen Kram.

Im Atelier ist es also fast so gemütlich wie in meinem Zimmer. Bis auf die Ecke von Papa. Die ist immer schrecklich aufgeräumt. Die ist aber auch ziemlich klein. Und sehr wichtig, denn da steht sein Computer. Und an dem schreib ich gerade. Wenn ich nicht an ihm schreibe oder surfe oder spiele, dann streite ich mich mit Papa um ihn. Denn Papa meint, sein Computer sei zuerst mal für ihn da. Weil Mama ja ihren eigenen Computer hat. Aber Papa hat ja schon einen Computer im Büro, da kann er den bei uns ruhig mir überlassen.

Ich sitze jetzt also bei uns zu Hause, in unserem kleinen Reihenendhaus. Da wohnen wir jetzt schon seit vier Jahren. Aber hier hat das gar nicht angefangen, das mit den kleinen Mönchen. Das liegt viel weiter zurück. In der Zeit, als wir noch in der großen Stadt wohnten. In einer schönen Altbauwohnung, nach hinten raus mit Blick auf ein Straßenbahndepot. Ein Straßenbahndepot ist ein Ort, an dem die Straßenbahnen schlafen, wenn sie abends müde sind vom vielen Herumfahren. Busse dürfen da auch schlafen, haben aber sonst nix zu melden.

Als wir die schöne, große Altbauwohnung auf der ersten Etage bezogen, war ich fünf. In den ersten Wochen nach dem Einzug kam es mir vor, als würde ich die Wohnung jeden Tag zum ersten Mal betreten. Immer gab es etwas Neues zu entdecken – es wurde ja auch noch rumgeräumt, und die Möbel wurden mal hier-, mal dorthin gestellt.  An einem dieser Entdeckungstage – es war ein Sonntag, kurz nach dem Frühstück – sah ich zum ersten Mal in Ruhe aus dem Küchenfenster:

– Mama, was sind das da für Dinger auf dem Haus?

Ich sagte „Haus“, weil ich Straßenbahndepot noch nicht richtig sagen konnte. Hinten raus, aus unserem Küchenfenster, blickten wir genau drauf. Die drei „Dinger“ waren auf dem Dach von dem Straßenbahndepot und sahen komisch aus. Vor allem passten sie überhaupt nicht auf das Dach von so einem Straßenbahndepot.

Wie so oft, wenn ich Mama etwas frage, meinte Papa auch dieses Mal, er müsse mir die Welt erklären. Wichtig trat er ans Fenster und schaute kurz hinaus, um dann zu verkünden:

– Das sind Tempel. Da wohnen die kleinen Mönche!

Ich war begeistert. Das roch nach einer der Geschichten von Papa, bei denen Mama am Ende immer sagt, sie werde sich scheiden lassen, wenn er das nicht aufschreibt. Bis jetzt ist sie aber immer noch da, und Papa hat vorsichtshalber auch schon mal mit dem Aufschreiben der einen oder anderen Geschichte angefangen. Nur nicht bei dieser Geschichte. Die bleibt an mir hängen.

Jetzt sah auch Mama aus dem Küchenfenster.

– Stimmt, sagte sie, sieht ein bisschen so aus wie Pagoden.

– Was sind Padogen?, fragte ich.

– Pagode ist die europäische Bezeichnung für die turmartigen Gebäude der buddhistischen Baukunst in China, Korea, Japan und Hinterindien. Die Pagode ist ein buddhistisches Reliquiar wie der indische Stupa, jedoch in ihrer architektonischen Gestalt nur begrenzt von indischen Vorbildern abzuleiten. Die chinesische Pagode ist ein auf quadratischem, polygonalem, auch rundem Grundriss aus Stein, Backstein, Holz, auch Eisen oder Bronze errichteter Turm von 7 bis 13 Stockwerken, alle mit eigenem Vordach.

Ich sah meinen Vater fassungslos an. Er hielt mir ein dickes Buch unter die Nase und zeigte auf ein Foto:

– Siehst du, so sehen die in Groß aus.

– Das da auf dem Dach sind trotzdem keine Tempel, beruhigte mich Mama, die sehen nur so aus. Und drinnen wohnen auch keine kleinen Mönche, das hat dein Vater mal wieder nur erfunden.

Ich sah hinaus. Diese Dachdinger sollten also Tempel sein. Oder auch nicht. Sie hatten eine ganz andere Farbe als der Tempel auf dem Foto in Papas dickem Buch. Der war so rotbraun. Die da auf dem Dach waren hellblau. Sonst sahen sie schon so aus wie der Tempel in dem dicken Buch. Nur viel kleiner. Ich überlegte: Kleine hellblaue Tempel auf dem Dach vom Straßenbahndepot mitten in der großen Stadt, in denen kleine Mönche wohnen. Über den schlafenden Straßenbahnen. Mama machte ihr Soeinquatschgesicht. Papa räumte das dicke Buch wieder weg. Dann tat ich etwas für die Zukunft sehr Entscheidendes: Ich beschloss, die Geschichte zu glauben. Und genau in diesem Augenblick huschten die kleinen Mönche in unser Leben.

 

Kapitel 2: Begegnung in der Nacht

Aber erst musste noch ein ganzer Tag vergehen und eine halbe Nacht. Dann wachte ich plötzlich auf. Ich hatte irgendwas gehört. Wie ein ganz leises Zwitschern von superkleinen Vögeln. Ich riss die Augen auf, so weit ich konnte. Es war nicht ganz dunkel in meinem Zimmer, denn der Schein der Straßenlaterne warf ein wackeliges Licht durchs Fenster. Vom Bettrand aus durchforschte ich mit Adlerblick das Zimmer. Und da sah ich sie: Drei winzige, dunkle Gestalten standen auf dem schwarzen Teppichboden vor meinem Bett. (Wir hatten in der ganzen Wohnung, bis auf Küche und Bad, schwarzen Teppichboden und viele Leute wunderten sich, dass wir immer so fröhlich dabei waren.) Also: Da standen drei Männlein vor meinem Bett. Jedes etwa so groß wie ein Menschärgeredichnicht-Nüppi. Und als ich genauer hinsah, erkannte ich, dass sie mir zuwinkten. Verflixt, wo hatte ich bloß Mamas alte Lupe hingelegt? Die hatte ich ihr gemopst, um mir die Ameisen auf dem Balkon genauer anzuschauen. Richtig, ich hatte sie unter dem Kopfkissen versteckt. Vorsichtig beugte ich mich über die Winzlinge und sah durch das dicke, runde Glas. Ups! Die sahen aber komisch aus. Wie kleine Japaner mit Glatze. Und alle waren in so dunkelrote, dunkelbraune oder schwarze Tücher gewickelt. Die hatte ich doch schon mal irgendwo gesehen. Richtig: In Papas dickem Buch mit den Pagoden. Da waren auf den Fotos auch solche komischen Japaner zu sehen. Moment mal! Mama hatte gesagt, dass die hellblauen Tempel auf dem Dach über den schlafenden Straßenbahnen aussahen wie Pagoden. Und Papa hatte gesagt, dass in den Tempeln auf dem Dach kleine Mönche wohnten. Wenn diese Winzlinge da also aussahen wie die Japaner vor den Pagoden in Papas dickem Buch, die Pagoden aber als hellblaue Tempel auch auf dem Dach über den schlafenden Straßenbahnen standen, dann, ja dann mussten diese freundlich winkenden kleinen, glatzköpfigen Japaner… die kleinen Mönche sein! Wo sollten sie auch sonst herkommen? In der ganzen Wohnung gab es, soweit ich wusste, keine einzige Pagode.

Leises Zwitschern riss mich aus meinen Überlegungen. Ich sah wieder durch die Lupe. Alle drei Mönche lächelten freundlich und verneigten sich tief. Ich hielt den Atem an, aus Angst, sie beim Ausatmen weg zu pusten. Die drei verneigten sich noch einmal, zwitscherten wieder irgendwas, das sehr nett klang und flitzten hastenichgesehen aus meinem Zimmer, durch die angelehnte Tür in den Flur. Lautlos, versteht sich. Ich hinterher. Gerade noch sehe ich sie in die Küche einbiegen. Als ich durch die Küchentür komme, klettern die kleinen Mönche durch das schräg gestellte Fenster nach draußen. Als ich das Fenster erreiche, sind sie weg.

Ich war damals noch zu klein, um unser riesengroßes Küchenfenster allein öffnen zu können. Also drückte ich die Nase an die Scheibe und starrte hinaus in die Nacht, in den Garten und hinüber zum Dach des Straßenbahndepots. Plötzlich sah ich auf dem Dach einen kleinen Lichtschein, der sich auf die Tempel zu bewegte, deren Umrisse so gerade noch zu erkennen waren. Dann löste sich plötzlich ein zweiter, noch kleinerer Lichtschein vom ersten und bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung. Was war das jetzt? Ich hatte nur noch Augen für dieses kleine, schwache Licht, das sich vom Dach runter bewegte und durch den Garten glitt, immer näher aufs Haus zu. Da kam was zu mir zurück. Plötzlich war es verschwunden. Ich sah wieder zu den Tempeln hinüber. Da war jetzt alles dunkel. Enttäuscht wollte ich gerade zurück ins Bett, da tauchte der kleine Lichtschein draußen auf dem Fensterbrett vor mir wieder auf. Gut, dass ich die Lupe noch in der Hand hatte. Hingehalten, durchgeschaut: ein kleiner Mönch! Er kletterte in die Öffnung des „auf kipp“ gestellten Fensters und setzte sich auf den Fenstergriff wie in einen Sattel. Dann winkte er mir mit der einen Hand zu, während die andere in seinem Gewand verborgen war. Ich ließ die Lupe sinken und ging ganz vorsichtig mit dem Gesicht immer näher ran, bis dass meine Nasenspitze ihn fast berührte. Nase an Mönch, dachte ich, und schielte auf den Winzling. Der kleine Mönch schaute freundlich. Dann lächelte er und zwitscherte irgendwas in seiner Kleinemönchesprache. Lustig hörte sich das an. Schließlich zog er die Hand aus seinem Umhang, hob sie zum Mund, als wollte er mir eine Kusshand zuwerfen und blies mir eine kleine Wolke megafeinen Staubes genau in die Nase. Es kribbelte ein bisschen, der kleine Mönch verschwand und ich stand in unserer dunklen Küche am Fenster und fragte mich, was ich da mitten in der Nacht wollte.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und hatte alles vergessen. Wieso ich mich heute trotzdem erinnere, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

November 21 folgt Kapitel 3: Hallo auf dem Klo