Don’t read my diary when I’m gone. OK, I’m going to work now. When you wake up this morning, please read my diary. Look through my things, and figure me out. (Kurt Cobain: Journals)

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Brüllode

jeder brüllt auf seine weise
ins smartphone rein stets laut nie leise
das resultat von all dem brüllen:
laute leere menschenhüllen

 

KurtsWellen.

Der 1. FC Köln startet 2026 ein innovatives Stadionprojekt: Klosterfrauen dürfen bei Spielen gratis auf die Südtribüne. Motto: NonnplusUltras.

Fiktiver Brief eines fiktiven Mädchens von 12 Jahren an Jette Nietzard:
„Hallo, Frau Nietzard. Ich will dir schon seit vielen Wochen schreiben, aber ich konnte nicht. Ich war zu traurig. Aber weil ich gerade ein bisschen weniger traurig bin, mache ich das jetzt. Mein Papa ist nämlich gestorben. Er wurde ermordet. Einfach so. Bei seiner Arbeit. Von einem Mann, dem er nichts getan hatte. Ich erzähle dir das, weil du, Frau Nietzard, immer sagst, Polizisten sind Bastarde. Bastard ist ein schlimmes Wort, ich habe es im Duden nachgeschlagen. Was ich dir eigentlich sagen will, Frau Nietzard: Mein Papa war so ein Bastard. Ich bin seine Tochter. Ich bin zwölf Jahre alt. Er fehlt mir sehr.“

 

Bei tätowierten Menschen sollte man niemals voreilig von der Anzahl der Tatous auf die Anzahl der Gehirnzellen schließen.

 

83,6 Prozent der Stimmen für Markus Söder bei seiner Wiederwahl zum CSU-Chef nennt die ARD-Tagesschau online ein „schwaches Ergebnis“. 83,6 Prozent – davon kann Lars Klingbeil mit seinen 64,9 Prozent nur träumen. Mit solchem Herbeischreiben von Negativschlagzeilen gibt die ARD Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker.

 

fest feiert liebe
blinder hass regiert die welt
glauben verzweifelt

incredibly big
those egos ruling the world
incredibly sick

 

Bushaltestellenreport

still sitzen und stehen sie
wischen und tippen und starren
kein blick geht hoch in die welt
die echte sie wird nicht gebraucht
sie haben ja vor sich die eigene

etwas abseits einer der schreit

still sitzen und stehen sie
wischen und tippen und starren
weißes plastik in den ohren
nebeneinander aneinander vorbei
kein blick geht nach rechts oder links

etwas abseits einer der schreit

still sitzen und stehen sie
wischen und tippen und starren
bis etwas blinkt der bus kommt
ihre welt fest umklammert steigen sie ein
dann wischen und tippen und starren sie

der bus hat wlan was für ein glück

 

Gabelstaplerstapel

gabelstapler
gabelt stapel
stapelt gabel
gapelt stabel
spabelt gagel
spabelp gatler
gagelt spagelt
stapelt spargel
spargelstabler

 

 

Die wunderbaren 70: Erkenntnisse, mit denen ich so nicht gerechnet habe.

Willkommen in der neuen Rubrik für 2026, in der ich versuchen werde, der werten Leserschaft 70 Erkenntnisse, die mir widerfahren sind, zu präsentieren. Auf denn!

Erkenntnis 1:
Ich lebe ich einem Land, in dem Feuilletons Sätze wie „Chabos wissen wer der Babo ist“ für kulturell wertvoll halten.

Erkenntnis 2:
Ich lebe in einem Land, in dem Bahnhöfe wegen Arbeiten gesperrt werden, die man dann nicht durchführt.

Erkenntnis 3:
Ich lebe in einem Land, in dem man Abfälle verbuddelt, anstatt sie zu vermeiden.

Erkenntnis 4:
Ich lebe in einem Land, in dem man nicht mehr übergewichtig, sondern mehrgewichtig ist.

Erkenntnis 5:
Ich lebe in einem Land, in dem es viel zu viele Mehrgewichtige gibt.

Erkenntnis 6:
Silvesterböllern ist eine kultivierte Tradition der Völkerverständigung: Seht, wir sind genauso bescheuert wie ihr.

 

 

 

Lagerlogistiker essen meist mit Messer und Gabelstapler.

 

Non-assistance à personne en danger en huit échappatoires

aurait voulu
mais n’a pas pu
a bien tout vu
mais n’a pas su
s’est aperçu
peine perdue
pas prévu
c’est bien connu

 

 

Kopfhengst – Wunderlichkeiten aus Blödland. Akte 13.

Den Mantelkragen hochgeschlagen, die Hände tief in den weiten Taschen seines dunklen Trenchcoats vergraben, schreitet Kopfhengst durch die verlassenen Straßen von Blödland. Ein böser, kalter Regen nieselt auf ihn nieder. Kopfhengst fröstelt und zieht den Kopf noch tiefer in den Mantelkragen. Kopfhengst hat verdammt gute Laune. Was man ihm wie immer nicht ansieht. Wozu auch? Kopfhengst hat gute Laune, weil sein Konto geflutet ist mit Geld. Das hat verdient mit einer medizinischen Wunderwaffe: OFRO SUSA. Steht für OchsenFroschen SuperSalben. Gegen? Na, gegen Adventskrätze, diese ewige Plage der Menschen in der Vorweihnachtszeit. Übelste Hautreizung! Dagegen half früher Lametta. Ist aber heute verboten, sogar in Blödland. Kopfhengst glaubt sogar, dass die in Blödland so blöd waren, Lametta als erste zu verbieten. Jedenfalls hat Kopfhengst was Neues gegen Adventskrätze: OFRO SUSA, eine Salbe aus homosympathischen Ausscheidungen depressiver Ochsenfrösche. Verkaufte sich wie blöd. „Süßer die Kassen nie klingen“, sagte sich Kopfhengst und knallte den Blödländern auch noch einen Mega-Slogan um die Ohren: OFRO SUSA – Haut die Krätze in die Frätze. Ist grammatikalisch nicht ganz sauber, aber korrektes Deutsch versteht in Blödland kein Mensch.

Und Obacht! OFRO SUSA war nicht das einzige Big Business, das Kopfhengst im vergangenen Advent tätigte. Schauen wir noch mal genau hin:

Er trägt eine rote Basecap!


Mit der hat er den ersten Preis gewonnen bei der so genannten Christmas Market Challenge. Die findet jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit auf den 398 Weihnachtsmärkten von Blödland statt. Wobei, denkt Kopfhengst gerade, eigentlich waren es dieses Jahr nur 397, weil einen, den hatten ja die Stämmigen Flunkermariechen aus Versehen niedergebrannt, als sie auf ihrem Zuckerwattestand erst die Nerven und dann die Kontrolle verloren. Jedenfalls, die Challenge geht jedes Jahr immer wieder so:

Wer den blödesten Einfall in Sachen Weihnachtsmarkt hat – Deko, Stand, Produkt, Outfit, Getränk, Essen etc. – der oder die gewinnt die Christmas Market Challenge. Kopfhengst hatte dieses Mal die Idee, als Fliegender Händler rote Basecaps zu verkaufen mit der Aufschrift MABLÖLABLÖ.* Die Jury fand das „blödial“ (Blödländisch für genial), weil 1.) ein schönes Rot, 2.) eine schöne lesbare Schrift, und 3.) sehr zur Kommunikation anregend, weil niemand verstand, was das bedeutet: MABLÖLABLÖ. Da wurde dann schon übelst diskutiert und spekuliert und debattiert, und manchmal endete das Ganze auch in einer Massenschlägerei, was die Jury im Begründungspunkt (4) als „zur körperlichen Ertüchtigung anregend“ beschrieb. Platz 2 belegten, wen wundert’s, die Stämmigen Flunkermariechen, weil es ja doch ein sehr schönes Feuer war.

Zurück zum fröstelnden Kopfhengst, der langsam ein frierender wird. Da schleicht er nun die Straße hinunter. Die Weihnachtsmärkte – abgerissen. In Blödland wird nicht abgebaut, da wird abgerissen. Fahrbahnen und Gehsteige vollgemüllt mit riesigen Mengen von Überbleibseln von Böllern, Raketen, Feuerwerk. Tja, gestern war Silvester. Und an Silvester erklären die Blödländer einander den Krieg. Wochenlang vorher wird schon geübt, die sogenannten Adventsböller sind jedes Jahr ein Verkaufsrenner. Nichts ist vor ihnen sicher: Mülltonnen, öffentliche Mülleimer, Einkaufscaddys, Briefkästen, Haltestellenunterstände. Besonders beliebt dieses Mal: Die Oma und ihr Hinterherziehwägelchen, mit dem sie grad vom Knalldi kommt und sich nach Hause schleppt. Derweil so ein Knallkopp der Oma noch nett über die Straße hilft, packt sein Kumpel – zack! – den Böller mit verlängerter Zündschnur ins voll gepackte Wägelchen. Feuerzeug an die Zündschnur, „Schönen Tach noch“, weg sind sie und die Oma denkt „Ach, was für nette junge Leu…“ BUMMMMMM!

Kopfhengst stolpert, legt sich fast auf die Fresse. Seine Füße haben sich hoffnungslos verheddert in einem Gebilde aus Luftschlangen, Konfetti, Bierflaschen, Energy-Drink-Dosen, Präservativen und Unterwäsche. Nachdem er sich mühsam befreit, lehnt sich Kopfhengst in den nächsten Hauseingang. Kopfhengst muss kotzen. Geht aber nicht. Schon besetzt. Ein Stämmiges Flunkermariechen schläft dort friedlich ihren Rausch aus, in den Armen des ebenfalls schlafenden jungen Kaplans von Sankt Florian, der vor allem wegen ihrer intensiven Arbeit mit Minderjährigen beliebtesten katholischen Pfarrei in Blödland. Die Arme des Stämmigen Flunkermariechens verschwinden beide unter der Soutane des jungen Kaplans. Der grinst blöde, öffnet kurz die Augen, zwinkert Kopfhengst zu und schläft wieder ein. Kopfhengst kotzt dann eben ein Haus weiter. Da war der Eingang noch unbesetzt. Und jetzt setzt sich da eh keiner mehr hin.

Kopfhengst geht nun, irgendwie erleichtert, schneller. Ihn erfasst eine warme Erinnerung an den vergangenen Advent. An das, was er Jahr für Jahr „Mein heiliges Massaker“ nennt. Wie er mit seiner Zwille nachts durch die Straßen schlich, die weihnachtlichen Illuminationen zerstörte und kletternde Weihnachtsmänner von den Fassaden schoss. An das herrliche Pluuuuuf, wenn den aufblasbaren Santas die Luft ausging und sie zu erbärmlichen, faltigen Gummiruinen zusammensanken. Ach, war das schön. Und dann das Geschrei der Besitzer, das Entsetzen, die Wut. Die weinenden Scheißblagen, die hysterisch auf ihren Handys herum wischten, auf der Suche wonach wussten sie selber nicht – zu blöd. Ein paar Kletterkatzen aus Kunststoff mussten auch gleich mit dran glauben.

Kopfhengst bleibt stehen. Genießt noch mal intensiv die Erinnerung. Vor allem, dass man ihn wieder mal nicht erwischt hatte. Er ruft sogar selbst immer die Polizei an, anonym unter verdeckter Nummer: „Hallo Polizei, der Santa-Killer geht wieder um.“ – „Wo?“ „Na, überall.“ Die Polizei von Blödland ist – blöd. Aber sie hat inzwischen sogar ein Faxgerät. Und eine Kaffeemaschine. Letztere hat sie bei einem Preisausschreiben gewonnen. Deshalb ist die auch andauernd kaputt. Das Fax funktioniert.

Plötzlich wird Kopfhengst ganz besonders warm ums Herz. Weil er noch einmal der zahlreichen Krippen gedenkt, die er in diversen blödländischen Kirchen in Brand gesteckt hatte. Hier verdächtigte die Polizei übrigens die Stämmigen Flunkermariechen, konnte ihnen aber nichts nachweisen, zumal die blödländischen Karnevalsvereine sich ausnahmslos hinter die Flunkermariechen stellten. Angeführt wurden sie dabei von einer sehr dummen, mondgesichtigen blonden älteren Frau, der Mutter der kürzlich verstorbenen Sprechstundenhilfe. Das blonde Mondgesicht behauptete, die uneheliche Enkelin des legendären Mainzer Karnevalssängers Ernst Neger zu sein.** Ihr eigener Name klang nach degeneriertem Adel, was zu ihrer Behauptung passte, „aus dem Völkischen“ zu kommen. Jedenfalls komponierte die Dame zur Unterstützung der Stämmigen Flunkermariechen ein Lied, dass sie tagelang über den Landfunk auf Blödland niederprasseln ließ: „Heile, heile Gänschen, Flunkermariechen in Not, böse sind die Nichtblöden, macht sie alle tot…“ Und so weiter und so fort.

Kopfhengst schüttelt sich kurz und die Erinnerung ab. Er zündet sich ein Zigarette an. Auf der anderen Seite ist eine riesige Mauer, auf der jemand etwas gesprayt hat: Text. Kopfhengst geht näher und liest:
Advent. Eine aggressiv-panische, durchhysterisierte Konsum- und Spaßgesellschaft suhlt sich im pseudoromantisch verlogenen Gefühlsseligkeitsbrei eines marketingmäßig eventisierten Weihnachtsklischees.
– Nicht schlecht, denkt Kopfhengst, könnte glatt von mir sein, so verkopfhengst das ist. Außerdem versteht das außer mir eh keine Sau.
Dann geht er weiter die Straße hinunter. Gleich ist er zu Hause. Da reißt plötzlich der wolkenverhangene Himmel auf, bildet ein kaltblaues Loch ins All, aus dem ein unbarmherziger Sonnenstrahl von hinten auf Kopfhengst fällt – und einen erbarmungslosen Schatten wirft:

Kopfhengst erbebt. Und beginnt zu singen:
– Bist du mein Ich? Bist du mein Über-Ich? Bist du nur er? Bist du gar der, der ich gern wär? Da schließt sich das Himmelsloch wieder. Der Schatten verschwindet. Dunkel dräuen wieder Wolken, ballen sich zu drohenden Gebirgen. Kopfhengst schüttelt den Kopf, sieht sich um. Niemand da, der ihn gehört haben könnte. Am weit entfernten Ende der Straße blinkt es grell orange: das erste Fahrzeug der Stadtreinigung. Paff! Kopfhengst zuckt zusammen. Vor ihm ist ein Weihnachtsbaum auf die Straße geknallt. In vollem Ornat. Dann folgen immer mehr, von überall. Es regnet Weihnachtsbäume aus den Fenstern, viele mit Resten von Schmuck. Kopfhengst hat keinen Schirm dabei. Er wirft die Zigarette in eine Pfütze. Zisch. Dann geht er schnell ins Haus, in seine Wohnung und sofort ins Bett. Angezogen, und mit Basecap auf. „Früher war was noch mal mehr?“, denkt er noch, dann schläft er ein.

Draußen vor dem Fenster rieseln leise die Weihnachtbäume. Doch sie kommen nicht mehr aus den Häusern der Straße. Sie kommen auch auch nicht von draus vom Walde. Sie kommen von woanders her. Von weit weit oben. Sie fallen vom Himmel. Immer mehr.

Heute werden die Kinder nicht zur Schule gehen müssen. Aber zur Schule gehen in Blödland ist sowieso sinnlos.

(* Falls sich unter den Menschen, die dies tatsächlich lesen, solche befinden, die meinen zu wissen, was MABLÖLABLÖ bedeutet, so dürfen sie sich gerne bei mir melden. Richtige Antworten werden ggf. belohnt. Aber nur, wenn ich gerade gute Laune habe. Außerdem bestimme ausschließlich ich, was es wirklich bedeutet. Gruß, euer Kopfhengst.)
** N-Wort, klar, aber der Mann hieß nun mal so. Ernst N-Wort – wie scheiße klingt das denn?