EMpressionen 2021
der ball ist so rund, weil die erde keine scheibe ist.
rechts und links
an den kürzeren seiten des fußballfeldes
steht je ein tor
tausende weitere
schauen zu
es wird zeit
mal ein gedicht über
die eckfahne zu schreiben
fragt sich nur, über welche
der mensch an sich ist kein
historiker
und das wembley-tor
schrieb schließlich auch
geschichte
manches land
ist in sachen menschenrechte
kein kind von traurigkeit
fußball soll schließlich
spaß machen
kann es sein?
alles nur ein traum?
kein spiel findet wirklich statt?
alles virtuell?
manipuliert?
generiert am computer?
vieles spricht dafür.
der ball ist rund
die erde ist rund
so mancher spieler
sagt man
streichelt den ball
hat das
schon mal
jemand
mit der erde versucht?
kein sommer
kein märchen
sondern wirklichkeit
nachflaggen, freunde!
ab pfiff alles vorbei
kein frei stößt mehr
keine ecke kommt rein
kein ein warf
kein pass schlug
keine hand ging zum ball
kein meter zur elf
tor ward ihr alle
stürmer zu wenig
mittelfeld zu voll
und über außen
fast nichts
Über das Hätten
wir hätten
so gern
an was andres gedacht
wir hätten
so gern
so weitergemacht
wir hätten wir hätten
wir hätten
uns lieber
was in die tasche gelogen
wir hätten
uns lieber
so weiter betrogen
wir hätten wir hätten
wir hätten
am liebsten
einfach weggeschaut
wir hätten
am liebsten
einfach weiter verdaut
wir hätten wir hätten
wir hätten
besser früher
inne gehalten
wir hätten
besser früher
versucht neu zu gestalten
wir hätten wir hätten
Speckgürtelromanze
bunkerhafte schuhkartons
gnadenlos weiße idyllen
des wohlstands
großzügige fensterflächen
licht! mehr licht!
mit blick nach draußen
auf die eigenen wände und mauern
oder die der nachbarn
hier und da hinter glas
so etwas wie bewegung
vordesignte vorgärten
pflegeleichte todeslangweiligstreifen
basaltiert granitiert
sickerdicht versiegelt
ein schatten grau
zwei drei alibigrüns
das atmet größe
so wie die eingänge
portale des erfolgs
säulen des himmels
pompöse garagen
tempel für pferdestärken
vornehm knirscht kies
in der auffahrt
die straße davor
graues parkett
glatt poliert makellos sauber
mit akkuraten markierungen
täglich wird hier durchgewischt
sorgfältig wird eingeparkt
und dann: action
morgens fünfmal pro woche
aufbruch richtung stadt job karriere
zurück bleibt
eine bleierne zeit
leise summen die roboter
in den häusern und auf den rasenflächen
still ruht die stylische wüstenei
zwischen bis heute abend
und wie war dein tag
was für ein leben
Garzweiler Zwei
das land liegt wie vergessen in der sonne
der wind bläst aus dem nichts
und man wird das gefühl nicht los
dass irgendetwas hier nicht stimmt
das auge findet keinen halt
wegweiser wissen nicht wohin
die dörfer menschenleer
die häuser fensterlos
die türen offen und die mauern blind
ein birnbaum steht uralt
die früchte sind bedeckt vom staub
der aus ruinen weht
und schmecken dennoch süß
zum allerletzten mal
holen die allerletzten bauern
die allerletzte ernte ein
noch steht der hof wie eine festung
seit hunderfünfzig jahren steht er so
so lange werden die nicht leben
die seinen tod beschlossen
wer weit genug nach osten schaut
beginnt zu ahnen was da kommt
was sich da langsam näher schaufelt
der große gleichmacher
der große reichmacher
die abbruchkante
Gelbe Hähne
gelbe hähne treiben kieloben im fluss
säen den schrecken stromauf und stromab
sie tanzen auf misthaufenflößen
vorbei an dörfern und städten
sie prügeln mit berstenden flügeln
auf eierlose flugzeugträger ein
gelbe hähne toben im watt
gestrandet in häfen ewiger ebbe
molen zerstieben, kräne sacken zusammen
nur kirchtürme bleiben zurück
ragend aus den ruinen
gotische mittelfinger gottes
gelbe hähne ziehen durchs land
brüllend trippeln sie nieder
was nicht in bunkern verschanzt
ihr krähen zerdonnert die wälder
bergen geben sie die sporen
aus mitternachtsblut
Genderday...
sehr vieles war sehr ungerecht
drum sagten wir uns: also echt –
das muss sich ändern
und fingen mächtig an zu gendern
am ende hat sich das gerächt:
wir wurden schrecklich selbstgerecht